Gammelfleisch, die X-te

So langsam entwickelt sich das bayerische Ministerium für Gammelfleisch Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zur echten Realsatirekanone. Aktuell meldet die Süddeutsche, dass in Bayern wieder mutmaßliches Gammelfleisch entdeckt wurde. Das wundert nicht, denn schließlich gab’s ja vor kurzem schon ein paar handfeste Skandale. Mal sehen, ein wieviel-Punkte-Programm die Staatsregierung dieses mal auflegt. Der eigentliche Skandal dieses mal: Das Ministerium wußte bescheid, hat aber nicht reagiert.

Am Sonntag schickte ein Hinweisgeber eine anonyme Mail mit dem Betreff “Gammelfleisch” ans Ministerium. Dort fühlte man sich allerdings nicht zuständig für anonyme Hinweise per Mail, und antwortete dem Tippgeber, er möge doch bitte noch seinen Namen nennen, denn anonyme Hinweise könne man grundsätzlich nicht bearbeiten.

Die zuständige Münchner Behörde, die die selbe Mail erhielt ermittelte allerdings sofort, und hat auch gleich einige Tonnen mutmaßlich vergammeltes Fleisch sicher gestellt. Das Ministerium entschuldigt sich mit einer Pressemitteilung. Schnappauf bemüht sich darin, die Vorwürfe von BayernSPD und Grünen zurückzuweisen. Es habe gar keine Verzögerungen gegeben, denn schließlich habe der Tippgeber seine Mail auch noch nach die örtlich zuständige Aufsichtsbehörde gesendet, die umgehend reagiert habe. Außerdem möge man bitte anonyme Hinweise in Zukunft am besten telefonisch bei der eigens eingerichteten Hotline abgeben. Diese sei Montags bis Freitags von 9-12 mit einer Mitarbeiterin, sonst mit einem Anrufbeantworter besetzt. Man darf sich ausmalen, was passiert wäre, wenn der Tipp nur im Minsterium gelandet wäre: nichts.
Wertes Ministerium: glaubt ihr in München ernsthaft, dass man mit diesem Vorgehen ernsthaft die Verbraucher vor kriminellen Machenschaften schützen kann? Es ist schier unerträglich, wenn man eine Mail mit dem Betreff “Gammelfleisch” einfach mal nicht weiterleitet, weil man anonyme Hinweise nur per spärlich besetzter Hotline entgegennimmt. Wäre so ein Vorfall im Frühjahr 2005 passiert, dann könnte man die Panne ja vielleicht noch verstehen, wenn auch nicht gutheißen. Aber drei Lebensmittelskandale später kann man das wirklich nur noch als himmelschreiendes Versagen bezeichnen!

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