Also, ich dachte ja immer, ich tu einem Laden einen Gefallen, wenn ich meine Lebensmittel genau da und nicht bei der Konkurrenz kaufe, aber heute durfte ich lernen, dass es ein Privileg ist zum Kundenkreis einer Firma zu gehören, das mensch nicht so ohneweiteres verdient…
Aber von Anfang an.
Clou hat sich neulich an der Wohnungstür einen Katalog eines Tiefkühllieferanten inklusive Einkaufsanruf aufschwätzen lassen. Nach längerem Suchen haben wir dann auch zwei Produkte gefunden, die wir a) in unserem überfüllten Gefrierfach noch unterbringen und b) auch wirklich mal probieren wollten (TK-Pizza im Haus ist immer praktisch…).
Zuversichtlich – von einem Mindesbestellwert stand nix im Prospekt – warteten wir auf Anruf und Lieferung.
Dann kam der Anruf. Dummerweise war ich am Telefon … Die zugegebenermaßen recht freundliche Dame erklärte mir dann, dass ich wahrscheinlich mit den zwei Produkten nicht auf den für alle Neukunden verbindlichen Erstbestellungspreis komme. Meine Versuche, ihr klarzumachen, dass bei dem Mindestbestellwert sich die ganze Sache erledigt hat und das Telefonat damit für mich beendet wäre, sind kläglich gescheitert.
Sie war im Gegenzug so nett (oder so hartnäckig?), mir anzubieten, mit mir nach weiteren Produkten zu suchen, die ich noch brauche. Auch für das überfüllte Mini-Gefrierfach hatte sie eine Lösung: Den Inhalt in den nächsten Tagen hurtig aufessen, so lange soll man so Sachen ja eh nicht lagern… Danke! Ich will die Johannisbeeren für meine Johannisbeer-Winter-Muffins aber nicht jetzt aufessen… (Hm, ich hätte sie natürlich aufessen und neue bestellen können, aber den Tipp hat sie mir nicht gegeben…)
Ich vermute ja, dass sie mit der Strategie bei ziemlich vielen Leuten ankommt. Man will ja auch die freundliche Dame nicht vergrätzen und sie ist ja auch so hilfsbereit… Und überhaupt, einige Sachen kann man ja wirklich immer brauchen, auch wenn man die ursprünglich gar nicht will…
Naja, nur mit Mühe und zugegebenermaßen nach einiger Zeit auch etwas unfreundlich konnte ich der hartnäckigen Dame dann klarmachen, dass ich nicht mehr bestellen werde, nur weil die Firma das so handhabt. Wir sind dann nach einiger Zeit doch so verblieben, dass sich unsere Wege trennen und mir die Firma dann nichts verkauft. Nur hat sie das so hingedreht, als ob es ein Privileg wäre, bei der Firma einkaufen zu dürfen und ich jetzt traurig sein müsste…
Ich dachte immer, es ist im Interesse der Firma, jemanden zu ihren KundInnen zu zählen. Mir ist das relativ egal, wo ich meine Tiefkühlpizza und mein TK-Gemüse kaufe. Tegut hat das ganze auch in Bio – die Firma nicht… Und wenn mir das mal zuviel mit dem Einkaufen und heimtragen wird, dann ruf ich die Konkurrenz von denen an. Die haben die besseren Bedingungen, scheint mir…
Darüberhinaus frag ich mich schon, wie eine Firma Neukunden gewinnen will, wenn sie die Hürden möglichst hoch hängt. Ich dachte immer, die Gewinnstrategie wäre, den Einstieg mit möglichst wenig Hemmnissen zu ermöglichen und eher noch mit ein paar Schnäppchen zu versüßen – wie es ja die diversen Buchclubs und Versandhäuser auch so machen…
Und die Moral von der Geschichte:
- Es gibt erfolgreiche und weniger erfolgreiche Marketingstrategien. Die Praktizierte scheint mir weniger erfolgreich.
- Hartnäckigkeit zahlt sich nicht immer aus.
- Manchmal wäre es hilfreich, den Telefonhörer aufzulegen, sobald man weiss, dass das Gespräch nichts bringt.
- Und noch hilfreicher ist es, wenn man sich an der Wohnungstür nichts aufschwatzen lässt – gell Clou?
Na, was hat sich denn der Clou aufschwatzen lassen? Doch nur den Katalog!
Aber die viel spannendere Frage ist doch: gibt’s auch bei den Folgebestellungen einen Mindestbestellwert? Und wie hoch ist der dann? Und kann man den Kühlraum dann gleich mitbestellen, damit man das Zeug aus dem Kühltieflader dann in der Wohnung unterbringt? Fragen über Fragen. Aber okay, das wäre den Mindestbestellwert nicht wert gewesen.
Remember september – heute abend Bloggertreffen im Gehrings!
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