Rechner, sucht die Signale!

Passend zur Weltmeisterschaft erlebt die Elektroindustrie einen Boom. Das Volk kauft flache Fernseher wie die Weltmeister. Und um den Konsum noch weiter anzutreiben, wird das terrestrische analoge Fernsehen in vielen Regionen auf die digitale Zukunft migriert. Die analogen Transponder wurden abgeschaltet, und all jenen, die sich in der letzten Zeit mit hier nur noch drei Programmen zufrieden gegeben haben wird klar gemacht, dass sie endgültig in der Vergangenheit angekommen sind.

Aber dafür gibt’s ja jetzt das Überallfernsehen DVB-T. Nicht überall, aber jetzt auch in Würzburg. Dort aber überall. Klingt jetzt verwirrend, ist auch so. Überallfernsehen nennt man das ganze, weil’s schöne kleine Empfänger gibt, die man auch in’s Schwimmbad mitnehmen kann. Aber ob das der Fußballfan will, wenn er sich doch extra für die WM einen großen Fernseher gekauft hat? Aber ich muss gestehen, auch ich habe mir jetzt die Nachfrageorientierung im Konsumverhalten zur Konjunkturbelegung auf die Fahnen geschrieben (jeder muss schließlich seinen Beitrag leisten ;-) ) und einen kleinen DVB-T-Stick gekauft, kaum größer als ein Feuerzeug, und das Ding natürlich sofort mit meinem Linuxrechner bekannt gemacht. Und das ging problemloser als gedacht!

Zunächst zur Auswahl des Gerätes: so um die fünfzig Euro muss man für USB-DVB-Empfänger investieren. Eine ganze Reihe Geräte sind unter Linux unterstützt, wobei oft schwer zu sagen ist, welcher Chipsatz jetzt genau in einem angebotenen Gerät verbaut ist. Ein Blick auf das Linuxtv.org DVB-Wiki nennt unter “supported devices” einige Inkarnationen unterstützter Chipsätze. Mein Stick ist übrigens ein Freecom DVB-T USB-Stick, der in der Kernel-Konfiguration unter “WideView WT-200U and WT-220U (pen) DVB-T USB2.0 support” läuft. Ein ganz bewusster Kauf, denn auf der Übersicht fand sich der Hinweis, dass der Hersteller benötigte Infos für die Linux-Community herausgerückt hat. Das gab Sympathiepunkte.

In meinem Kernel (2.6.15) ist das Gerät also anstandslos unterstützt. Nur die Gerätefirmware muss noch an der richtigen Stelle abgelegt werden. Aber in Gentoo-Linux ist das mit emerge linuxtv-dvb-firmware schnell erledigt, nachdem man die Datei /etc/make.conf um die Zeile DVB_CARDS="usb-wt220u" ergänzt hat. Hotplug erledigt dann nach dem Einstecken der Karte den Rest, und die LED am Gerät leuchtet Gelb auf. Ein gutes Zeichen, dass das Gerät mit der Firmware versorgt wurde. Ein Blick auf die Ausgabe von dmesg bestätigt das.

Jetzt geht es an die Sendersuche. Dazu verwende ich dvbscan aus den linuxtv-dvb-apps, die ich mittels emerge linuxtv-dvb-apps auf meinem Rechner installiere. dvbscan kann allerdings leider nicht den kompletten Frequenzbereich durchsuchen, sondern braucht ein File mit Parametern. Das von mir erstellte File kann man hier herunterladen.. Für viele Programme benötigt man eine channels.conf-Datei. Diese wird durch dvbscan aus der gerade heruntergeladenen Datei erstellt:

dvbscan de-Wuerzburg > channels.conf

Diese channels.conf editiert man dann noch nach Herzenslust und kopiert sie dann zum Beispiel in das Verzeichnis ~\.xine\ und schon kann man mit dem Mediaplayer xine Fernsehen schauen!

1 Kommentar zu „Rechner, sucht die Signale!“

  1. Ralf sagt:

    Das Thema muss unbedingt vertieft werden, und zwar bei diesem Anlass: ;-)
    http://wuerzblog.de/2006/06/02/einladung-zum-jubi/